Cyberrisiken – erster Vergleichsrechner ist online…

Es ist soweit: Erster Vergleichsrechner wagt sich an das komplexe Thema der Cyber-Versicherung heran. Wird deshalb die individuelle Beratung in diesem Bereich überflüssig?

Wir haben den Rechner genauer unter die Lupe genommen und mehrere Vergleiche berechnet. Hier unser Eindruck:

Das Informationsmaterial:

Die Seite weist auf wichtige Punkte wie z.B. ungezielte Angriffe, die Wiederherstellung beschädigter IT-Systeme und die Gefahr des Ertragsausfalles hin. Die Bedeutung der Zusatzdienstleistungen – in Form von Krisendienstleistern, Krisenmanagern und PR-Maßnahmen – kommt zu kurz.

Stellen Sie sich vor, Sie kommen nach einem Kundengespräch zurück ins Büro. Sie holen sich einen Kaffee und fahren Ihren Rechner hoch. Anstatt des Login-Bildschirms sehen Sie aber einen schwarzen Hintergrund mit dem Hinweis: „Wir haben Ihre IT-Systeme gesperrt. Wir können Ihre Systeme wieder frei geben und Ihnen das Sicherheitsleck aufzeigen. Bitte überweisen Sie hierfür die unten genannte Zahl an Bitcoins auf das folgende Konto …“ Nach dem ersten Schock versuchen Sie Ihren IT-Experten zu erreichen. Leider ist Freitagnachmittag und er ist mit seiner Familie die Wochenendeinkäufe erledigen. Was nun? Was ist Ihnen in diesem Fall am wichtigsten? Die IT-Systeme sollten wieder einsatzfähig sein und das Sicherheitsleck beseitigt werden. Und das alles am besten noch, bevor Sie Ihren Kaffee leer haben. Sie wünschen sich einen Experten, den Sie rund um die Uhr erreichen können und der Ihnen sofort mit Rat und Tat zur Seite steht.

Im Gegensatz zur individuellen Beratung werden auf dem Portal weder die unterschiedlichen IT-Dienstleister, noch die angebotenen Versicherer der Cyberversicherung aufgelistet. Das dort gegebene Versprechen der Transparenz wird nicht erfüllt.

Die Höhe der Versicherungssumme wird ebenfalls nicht erläutert. Der Hinweis auf eine ausreichend hohe Versicherungssumme hilft wenig. Was genau ist denn „ausreichend“?

Der Aufbau des Informationsmaterials und des Tarifrechners lässt darauf schließen, dass vor allem ein bestimmter Versicherer als Orientierungshilfe dient. Im Moment ist dieser Versicherer zwar einer der führenden im Bereich der Cyberversicherungen, dennoch ist die Sicht, nur durch diese Brille, beschränkt. Vor allem im Tarifrechner sind diese Ähnlichkeiten deutlich sichtbar.

Kaum überraschend: Der Versicherer ist am häufigsten das beste Berechnungsergebnis.

Der Tarifrechner:

Bei unseren Berechnungen erhielten wir oftmals kein Ergebnis mit der folgenden Begründung: „Keine Tarife verfügbar.“ Warum oder welche Punkte im Fragebogen den Ausschlag gaben, blieb offen. Es bestand zwar die Möglichkeit, ein individuelles Angebot über das Kontaktformular anzufordern, einen Ansprechpartner oder gar eine Telefonnummer sind auf dem Formular jedoch nicht angegeben.

Der Betreiber wirbt mit einer übersichtlichen Eingabemaske, die das Ausfüllen mehrerer Fragebögen unnötig machen soll. In der Praxis ist der Fragebogen zu kurz und Informationen werden zudem teilweise doppelt abgefragt. So wird unter dem Punkt „IT-Schutzmaßnahmen“ gefragt ob wöchentliche Datensicherungen auf separaten Systemen durchgeführt werden. Fünf Fragen später möchte man wissen ob Datensicherungen täglich, wöchentlich, monatlich oder jährlich durchgeführt werden. Dies ist für einen Laien eher verwirrend und damit undurchsichtig.

Das Problem mit dem zu kurzen Fragebogen ist bei den Angaben zur technischen Sicherheit noch gravierender. Man muss bei Firewalls und Virenschutz zwischen betriebssystemeigenen, lizensierten und hardwarebasierenden unterscheiden. Während hardwarebasierende Firewalls eine positive Auswirkung auf den Beitrag haben, wirken sich die Unterscheidung zwischen betriebssystemeigen oder lizensiert auf den kompletten Versicherungsschutz bzw. die Versicherbarkeit als solche aus. Viele Versicherer übernehmen das Risiko nicht, wenn man nur die Windowsinternen Schutzmechanismen benutzt. Im schlimmsten Fall wird die vorvertragliche Anzeigepflicht verletzt. Dadurch kann der Versicherer ggf. komplett leistungsfrei sein. Auf diesen Zusammenhang sollte man hingewiesen werden!

Fassen wir zusammen:

Die Informationsseite des Portals ist nicht umfassend genug. Die Informationen orientieren sich stark an einem bestimmten Versicherer. Der Tarifrechner ist zu kurz und enthält nicht alle nötigen Risikofragen. Die fehlenden Fragen können sogar zur kompletten Leistungsfreiheit des Versicherers führen. Die Ergebnisse der Berechnungen sind wenig bis gar nicht nachvollziehbar. Eine transparente Auflistung der Versicherer und die Gründe der Einschränkung fehlen. Einen persönlichen Ansprechpartner sucht man vergebens.

 

Ist wegen des Rechners die individuelle Beratung im Bereich der Cyberrisken überflüssig?

Nein! Gerade bei einem solch komplexen Thema wie der Cyber-Versicherung ist eine individuelle und persönliche Beratung von Experten unverzichtbar. Sprechen Sie mit uns, das Team der confin GmbH, Finanz- u. Versicherungsmakler aus Stuttgart, ist für Sie da.

Tom Pöschmann -Autor-

 

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